MediaCulture-Online Blog

28.11.2016 | Nora Brockamp

Shoppen, Spielen, Sparen – Mit digitalem Taschengeld den Umgang mit Finanzen lernen?

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Kinder und Jugendliche sollten bereits früh lernen, den Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben zu behalten. Deshalb zahlen viele Eltern ihnen regelmäßig Taschengeld, über das sie dann frei verfügen können. Doch auch Einkäufe im Internet spielen heute im Alltag eine zunehmend große Rolle. Die Initiative „SCHAU HIN!“ rät für Kinder bis zwölf Jahren zu einer starken Begleitung beim Online-Einkauf. Eine alternative Möglichkeit könnte bald das deutsche Start-up Okiko bieten, mit dem Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren unter der Aufsicht ihrer Eltern den Umgang mit Online-Shopping lernen.

Regeln für den Online-Einkauf

„SCHAU HIN!“ plädiert für einige Grundregeln für den Online-Einkauf mit Kindern: Surfanfänger sollten über die Funktionsweisen von Werbung und Kaufvorgängen aufgeklärt werden. Tatsächliche Online-Käufe und Downloads sollten allerdings nur gemeinsam mit den Eltern getätigt werden. Eltern sollten Passwörter für Online-Shops ihren Kindern nicht zur Verfügung stellen und regelmäßig ändern sowie sich nach jedem Einkauf wieder ausloggen. Auf Einkaufsseiten, bei denen es einen Direktkauf (auch One-Click genannt) gibt, sollte dieser deaktiviert werden.

 

Der Informationsfilm von „SCHAU HIN!“ erklärt eine Situation, bei der diese Regeln geholfen hätten anschaulich:

Alternative Möglichkeiten

Die Regeln von „SCHAU HIN!“ sorgen für weniger Fehlkäufe durch versehentliche Klicks und können in Kombination mit einem regelmäßigen Taschengeld einen bewussteren Umgang mit Online-Einkäufen fördern. Jedoch erfordern sie unter Umständen auch teils nervenaufreibende Absprachen zwischen Eltern und Kindern über den Zeitpunkt der Einkäufe.

 

Eine Alternative ist es, ein Prepaid-Kinderkonto anzulegen. Hier können Kinder ihr Taschengeld einzahlen oder es von den Eltern überwiesen bekommen. Je nach Kontoart können sie Bargeld abheben oder mit der Karte im Laden bezahlen sowie Online-Geschäfte tätigen. „SCHAU HIN“ weist auch darauf hin, dass von Kindern bestellte Artikel aus Verbraucherschutzgründen widerrufen werden können. Die Verbraucherzentrale kann dementsprechend auch bei Problemen hiermit kontaktiert werden. Was das Kind einkauft, lässt sich bei einem Prepaid-Konto nicht kontrollieren, jedoch im Nachhinein auf dem Kontoauszug nachvollziehen. Eine weitere Alternative stellt hier in Zukunft vielleicht der Dienst Okiko dar.

Wie soll Okiko funktionieren?

Bei Okiko können sich Eltern kostenlos registrieren und für jedes ihrer Kinder ab sieben Jahren ein Konto anlegen. Auf die Kinder-Konten können sie dann Taschengeld überweisen, welches in Shops genutzt werden kann, die mit Okiko bereits kooperieren. Das Konto kann von den Kindern nicht überzogen werden. Das Okiko-Filtersystem überprüft bei jedem Einkauf, ob es sich um einen altersgerechten Artikel handelt. Die Eltern geben den Einkauf frei und der Artikel wird bestellt. Sollte das Kind einen Artikel bestellt haben, den das Filtersystem als nicht altersgerecht einstuft, werden die Eltern auf ihrem Smartphone darüber informiert und können immer noch selbst entscheiden, ob sie dem Kauf zustimmen oder nicht.

 

Zusätzlich zum Online-Shopping bietet Okiko auch die Möglichkeit Sparpläne anzulegen. Dabei können größere Wünsche festgelegt und der Sparerfolg für diese beobachtet werden. Das Thema Geld wird auch durch Lernspiele weiter verfolgt. Okiko bietet also eine sichere Möglichkeit, den Umgang mit Geld im digitalen Zeitalter zu lernen.  Die Plattform will im Januar 2017 auf den Markt gehen.

Risiken und Nebenwirkungen

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Okiko ist kein ursprünglich aus pädagogischen Gründen erfundenes Konzept, sondern hat das Ziel, die Kaufkraft der jungen Menschen in der Gesellschaft internetfähig zu machen. Ähnlich wie PayPal verdienen sie an jedem Einkauf über Okiko mit. Noch ist Okiko nicht online. Daher lässt sich noch nicht genau sagen, wie gut die Plattform tatsächlich funktionieren wird. Das Start-up bemüht sich darum, eine Vielzahl an Shops zu integrieren. Zunächst werden es jedoch kleinere Geschäfte sein, die sich beteiligen. Die Frage, ob alles, was Kinder und Jugendliche kaufen möchten, damit abgedeckt werden kann, bleibt also noch offen. Auch müssen sich Eltern weiterhin Gedanken machen, wie sie ihren Kindern das Taschengeld zur Verfügung stellen. Das Geld, das sie ihren Kindern auf ihr Okiko-Konto überweisen, können diese nicht als Bargeld verwenden. Es muss also überlegt werden, ob das Taschengeld für beide Zwecke aufgeteilt werden soll. Ein Prepaid-Konto ist da schon einfacher zu handhaben, aber die vielen Einstellungen, die Okiko den Eltern bietet, sind hier natürlich nicht möglich. Letztendlich bleibt abzuwarten, ob die Plattform mit einer Vielzahl an Shops und einer sicheren Nutzung überzeugen kann. Auch müssen Eltern mit ihren Kindern abwägen, ob Online-Käufe in der Lebenswelt ihrer Kinder so präsent sind, dass die Nutzung des Systems eine Unterstützung darstellt. Letztlich ist eine gute Kommunikation über Online-Einkäufe und eine zu Beginn hohe, aber mit dem Alter und der Erfahrung abnehmende Begleitung und Kontrolle des Kaufverhaltens von Kindern und Jugendlichen eine gute Möglichkeit, diese auf die Welt der Online-Einkäufe vorzubereiten.

Informationen rund um das Thema „Konsum- und Werbekompetenz für Kinder“ finden sich hier.

Informationen zum Thema Online-Werbung gibt es hier.

In unserer Medienrecherche finden sich außerdem Unterrichtsmodule zu den verwandten Themen Kaufvertrag, Sicherheit bei Online-Auktionen und Gefahren bei Online-Geschäften.

Außerschulische Pädagogik, Eltern, Internet / Web 2.0, Medienbildung, Werbung

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*