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14.12.2017 | Nora Brockamp und Ina Mangold

Medienpädagogik, Instagram und Emotionen

Medienpädagogik, Instagram und Emotionen Was hat sich 2017 in der Medienwelt getan? Welche Themen müssen Pädagoginnen und Pädagogen in Zukunft beachten? Informatik, Influencer, Informationskompetenz – In welchen Bereichen müssen junge Leute sensibilisiert und informiert werden? Unser medienpädagogischer Jahresrück- und Ausblick für Pädagoginnen und Pädagogen.

Programmieren in der Schule

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Nummer eins der medienpädagogischen Trends dieses Jahr war der Einzug des Programmierens in die Sekundarstufe in Baden-Württemberg. Damit soll laut Kultusministerin Dr. Eisenmann „auf den digitalen Wandel unserer Gesellschaft“ reagiert werden. Mit dem Basiskurs Medienbildung und dem Aufbaukurs Informatik soll das Wissen über Digitales über die reine Anwenderperspektive hinaus auf Grundprinzipien der Informatik wie Codierung, Algorithmen, Rechner und Netz sowie Informationsgesellschaft und Datensicherheit ausgeweitet werden. Es gibt hilfreiche Tools (nicht nur) für den Unterricht, die das Programmieren von Beginn an und spielerisch erklären:

 

Beispielsweise entwickelte Apple die Programmiersprache Swift, die für die Systeme iOS und macOS ermöglicht zu programmieren und auf bekannte Programmiersprachen wie Python und C# zurückgreift. Eine Hardware, die das Lernen von Programmieren erleichtern soll ist die B-O-B-3-Platine mit Sensoren und LEDs, die zusammengelötet werden kann und anschließend zum Programmieren mit C/C++ taugt. Eine umfangreiche Möglichkeit ist außerdem der – allerdings nicht unumstrittene – Calliope-mini. Der Controller kann mit drei dazugehörigen Editoren je nach Wissensstand programmiert werden.

Social Bots – Wenn alles nur Fake ist

Das nächste Thema hat ebenfalls mit Programmieren zu tun: Bots.

 

Social Bots sind Programme, die auf Sozialen Netzwerken eingesetzt werden und dort einen realen Nutzer mimen. Sie können auf Fragen mit Hilfe von Schlagworterkennung antworten und andere Posts liken und teilen, aber auch eigene Posts verfassen. Sie beruhen auf Algorithmen, die immer komplexer werden. Das führt dazu, dass Bots auf mehrere Schlagwörter reagieren, komplexere, unterschiedliche und längere Antworten geben. Aufwändigere Bots analysieren Sätze und eignen sich grammatikalische Muster und Wörter an.

 

Da Social Bots extrem leistungsfähig sind, können sie ein paar hundert Tweets am Tag senden, ein paar hundert Beiträge am Tag liken und teilen. Das kann Nutzer/-innen beeinflussen: Sieht man in seinem Feed nur einseitige Meinungen, fühlt man sich mit seiner Meinung vielleicht in der Minderheit und überdenkt sie gegebenenfalls noch mal.

 

Bei eigenartig wirkenden Accounts sollte man in Sozialen Netzwerken also aufpassen: Postet ein Account immer gleiche Antworten oder einige tausend Posts am Tag (und in der Nacht), ist er aller Wahrscheinlichkeit nach ein Fake-Account.

Filterblasen

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Wie auch im Letzten Jahr bereits ist der Begriff Filterbubble oder auch Filterblase 2017 ein großes Thema gewesen. Filterblasen entstehen durch die Personalisierung der News-Feeds in Sozialen Netzwerken: Nutzerinnen und Nutzern werden durch Algorithmen ausgewählte Themen angezeigt, die ihnen potenziell gefallen und die zuvor registrierten Interessen bestätigen oder ihnen ähneln.

 

Auch hier wird von einer indirekten Beeinflussung gesprochen, da nur (anscheinend) der eigenen Meinung entsprechende, einseitige Posts angezeigt werden. Vor allem wenn es um politische Meinungsbildung oder Informationen aus aktuellen Nachrichten geht, läuteten hier bei vielen Pädagoginnen und Pädagogen die Alarmglocken.

 

Die JIM-Studie zeigt allerdings: Nur 18 Prozent der Jugendlichen nutzen Facebook, um sich über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. Was bleibt ist also die Devise: Junge Menschen brauchen Informationskompetenz. So, wie sie lernen müssen, zwischen seriösen und unseriösen Zeitungen oder Fernsehnachrichten zu unterscheiden, so muss auch daran gearbeitet werden, dass ihnen bewusst ist: Was ich in sozialen Netzwerken sehe ist nur ein Ausschnitt der Welt – nur eine Sichtweise.

Indirekte Beeinflussung durch Soziale Netzwerke

Bots und Filterblasen sollen auf den Sozialen Netzwerken beeinflussen können. Vor allem während der Bundestagswahlen in diesem Jahr wurden Social Bots stark diskutiert, zum ersten Mal wirklich ein Thema waren sie bei den US-Wahlen zuvor. Inwiefern Soziale Netzwerke tatsächlich die Wahlen beeinflussen ist noch unklar. Als Gegenstück dazu gibt es seit einigen Jahren die sogenannten Wahlhelfer, die sich in diesem Jahr besonders zu vermehren schienen. Dabei handelt es sich um Online-Tools, die zur Findung der eigenen politischen Meinung beitragen.

 

Sie funktionieren meist nach dem gleichen Prinzip: Man bewertet politische Aussagen und bekommt am Ende mitgeteilt, zu welcher Partei diese Ansichten am besten passen. Marktführer ist hier klar der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Wer es etwas aktiver haben möchte findet bei diskutiermitmir.de die Möglichkeit, mit politisch andersgesinnten zu diskutieren. Mithilfe einer vorgegebenen Aussage wird ein Diskussionsthema vorgegeben – und dem politischen Austausch steht nichts mehr im Wege.

Instagram vs Snapchat – Storyfunktion überall

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind politisch interessiert, aber die meisten sind auf Sozialen Netzwerken zu finden. In diesem Jahr fiel vor allem bei Jugendlichen ein Umschwenken bei Apps und Plattformen auf. Wie auch die JIM-Studie 2017 dokumentiert, nutzen die Jugendlichen vor Facebook (13%) lieber Instagram (39%) und Snapchat (34%).

 

Zwischen diesen beiden Plattformen kam es in diesem Jahr zu einem Konkurrenzkampf: Nachdem Instagram 2016 Snapchats Kernfunktion, die „Story“, übernommen hatte, wurde spekuliert, wie lange Snapchat noch mithalten könne. Trotzdem schaffte Snapchat den Börsengang, wenngleich die bisherigen Quartalszahlen nicht sehr erfolgreich aussehen.

 

Einen großen Vorteil hat Instagram: Seine Reichweite. Auf Instagram werden durch Stories wesentlich mehr Menschen unterschiedlichen Alters erreicht als durch Snapchat. Aber die Jugendlichen verbringen nach wie vor Zeit auf beiden Plattformen. Der Schneckenkrieg bleibt spannend, denn nun ist auch YouTube im Rennen.

Influencer

Vor allem auf Instagram, aber auch auf YouTube tummeln sich die neuen Vorbilder der Jugendlichen – Influencer. Die dem erwachsenen Publikum meist völlig unbekannten Berühmtheiten sind die Meinungsführer des Internets und der Sozialen Netzwerke für Jugendliche. Meist haben sie ein paar tausend Follower bis hin zu einem Millionenpublikum. Die wohl bekanntesten Influencer stammen von den Sozialen Netzwerken YouTube und Instagram. Hier stellen sie häufig ihr Leben dar: ihre Hobbies, ihren Style, ihre Lebensweise, ihre angeblichen Lieblingsprodukte oder auch ihre Meinung.

 

Eine große Debatte gab es dieses Jahr im Bereich Werbung. Viele Unternehmen nutzen die Influencer als „Sprachrohr“. Denn Influencer erreichen ein großes Publikum und wirken auf dieses vertrauenswürdig – eine gute Ausgangssituation, um ein Produkt zu präsentieren. Nicht immer ist aber ersichtlich, ob ein Influencer ein Produkt präsentiert, weil er es gut findet oder, ob er das Produkt von einem Unternehmen geschenkt bekommen hat und sogar für die Präsentation bezahlt wird.

 

Mit der entsprechenden Informationskompetenz kann darauf geschlossen werden – zudem gibt es für Werbung eine Kennzeichnungspflicht. Nachdem es gerade bei Influencern in diesem Jahr zu Unregelmäßigkeiten kam – ob absichtlich oder nicht – veröffentlichten die Medienanstalten einen Flyer zur Kennzeichnung von Werbung in Sozialen Netzwerken. Denn: Die Follower vertrauen den Influencern, daher ist hier Transparenz und Ehrlichkeit gefordert, wenn die Influencer gegen Bezahlung ein Produkt vorstellen.

Ausblick 2018

Es ist zu erwarten, dass auch das Jahr 2018 wieder eine Fülle von Themen und Herausforderungen für die Medienpädagogik mit sich bringen wird. Big Data, „Datifizierung“ und ihre ethischen Implikationen, die Fortentwicklungen im Social-Media-Bereich insgesamt, die Netzpolitik inklusive dem Dauerbrennerthema Informations- und Nachrichtenkompetenz, Influencer-Marketing, aber auch der Ruf der Industrie nach mehr informatischer Bildung, Robotik, Programmieren, Virtual und Augmented Reality werden uns mit Sicherheit wieder vollauf beschäftigen.

Außerschulische Pädagogik, Datenschutz, Informatik / Robotik, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Medienbildung, Soziale Netzwerke

JuanPypefs, 29.06.2018 um 00:12
Fantastic article post.Much thanks again. Really Cool. [url=http://gb0oh5hc.tumblr.com/]Stich[/url]
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