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28.11.2017 | Ina Mangold

Social Bots: Wenn Manipulation Programm ist

Auf Sozialen Netzwerken können sich Bots als reale Nutzer ausgeben. Vor allem Twitter passiert das häufig. Bild: Pixabay, Lizenz:CCO

Bots – das sind Programme, die online selbstständig agieren. Es gibt Bots, die auf Messenger-Apps eingepflegt werden können oder auf Webseiten Chat-Funktionen übernehmen. Und Bots, die auf Sozialen Netzwerken mitmischen und dort Trends, Meinungen und Mehrheiten vortäuschen können.

 

Bots sind Programme, die durch einen Algorithmus eine bestimmte Handlungsanforderung ausführen. Und das eigenständig. Das heißt jemand programmiert einmal, was der Roboter zu tun hat, und dieser führt das dann aus. Durch unterschiedlich eingespeicherte Muster wie bestimmte Schlagwörter tritt ein Bot in Aktion. Das heißt, er erkennt beispielsweise in einem Twitter-Feed das Wort „Politik“ und antwortet mit einem einprogrammierten Satz automatisch.

 

Bots, die textbasiert Antworten geben, sind keine Neuheit mehr. Seit Jahren werden Programme geschrieben, die auf einfache Fragen mit Hilfe von Schlagworterkennung antworten. Nur werden die Algorithmen dazu immer komplexer: Bots reagieren auf mehrere Schlagwörter, geben komplexere, unterschiedliche und längere Antworten. Aufwendigere Bots analysieren Sätze und eignen sich grammatikalische Muster und Wörter an. Allerdings sind diese lernenden Programme in Sozialen Netzwerken eher eine Seltenheit – und können auch schief gehen.

 

Online kommen Bots zu unterschiedlichen Zwecken und auf unterschiedlichen Plattformen zum Einsatz. Es gibt Bots, die einfach in Messenger-Plattformen auf Schlagwörter wie Wetter oder News reagieren, oder auf Webseiten den Kundenservice betreuen – das sind so genannte Chatbots. Kritischer sind die sogenannten Social Bots zu betrachten. Sie werden speziell auf Sozialen Netzwerken, vor allem Twitter, eingesetzt.

 

Dort mimen sie einfach gesagt einen normalen Nutzer. Sie reagieren auf Schlagwörter, antworten, teilen und liken daraufhin. Das klingt zunächst sinnlos, denn was sollte ein Social Bot den anderen Nutzer/-innen zu sagen haben?

Die Über-Nutzer: Digitale Armeen

Erst durch eine entsprechende Programmierung tritt ein Bot in Aktion. Bild: Unsplash, Lizenz: CC0

Social Bots sind extrem leistungsfähig. Sie können ein paar hundert Tweets am Tag senden, ein paar hundert Beiträge am Tag liken, ein paar hundert Beiträge am Tag teilen.

 

Sieht man als Nutzer/-in in seiner Timeline dann überwiegend Tweets zu einer bestimmten Meinung, könnte es den Anschein haben, dass gerade diese Meinung häufig vertreten ist. Mischt sich ein Bot noch dazu in eine Diskussion ein und antwortet immer mit kontroversen und provozierenden Inhalten, kann schon von Manipulation gesprochen werden. Stimmungen werden verbreitet und falsche Mehrheiten vorgetäuscht.

 

Teilweise ist von ganzen Bot-Armeen die Rede. Wenn mehrere Tausend zu einem bestimmten Thema tweeten, werden Trends auf Sozialen Netzwerken verzerrt. Oftmals bestehen Inhalte zudem aus Hetze und Fake News. Das zu veranlassen ist nicht unbedingt schwer. Online gibt es Programme, die das Bauen von Social Bots erleichtern und tausende von Fake-Accounts innerhalb von wenigen Stunden erstellen.

 

Bereits während des Ukraine-Konflikts konnten Experten nachweisen, dass Propaganda durch Bots online verbreitet wurde. Auch bei den US-Wahlen wurde Parteien vorgeworfen, Tweets durch Bot-Armeen zu verteilen, um Meinungstrends zu setzen. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 hatten sich alle Parteien bereit erklärt auf Social Bots zu verzichten – auch wenn die AfD sich zunächst anders äußerte. 

Beeinflussung im Minutentakt?

Durch den gezielten Einsatz von Bots kann es dazu kommen, dass Nutzer/-innen sich mit ihrer Meinung in der Minderheit fühlen und diese daraufhin noch einmal überdenken. Oder sie fühlen sich bestätigt: Bei rechtsradikalen, rassistischen oder extremistischen Meinungen ein Problem.

 

Generell gibt es verschiedene Bot-Arten. Wie bereits erwähnt, überschwemmen einige Bots Plattformen mit ähnlichen Aussagen und können sich durch liken und teilen gegenseitig unterstützen. Verwenden viele Bots denselben Hashtag, kann ein Thema wichtiger erscheinen als es eigentlich ist. Bots können Nutzer/-innen aber auch in langwierige Diskussionen verwickeln: Provozierende Aussagen beschäftigen die Nutzer/-innen und andere Diskussionen mit realen Interaktionspartnern werden verhindert.

Von Neutral bis Manipulativ

Tweetet ein Profil auffällig oft - und das in kurzer Zeit - ist der Account mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bot. Bild: Screenshot Twitter

Bots an sich sind neutral. Sie sind eine Art Werkzeug, das durch Menschen einen Auftrag erhält. Erst durch das einschlägige Programmieren erhält ein Bot eine Richtung – Chatbots in der Kundenbetreuung sollen beispielsweise eine Hilfe sein.

 

Auf Gesetzgeberseite wurde bereits eine Kennzeichnungspflicht für Bots diskutiert. Das Problem: Neue Bots entstehen zu schnell und agieren flächendeckend, bevor der Gesetzgeber überhaupt eingreifen kann. Zudem ist nicht immer nachvollziehbar, woher ein Bot kommt, die Konsequenzen für Täter wären überschaubar. Auf der anderen Seite werden Social Bots nicht von allem Experten allzu kritisch gesehen. Linus Neumann, Mitglied des Chaos Computer Clubs, meint, dass eine Beeinflussung wegen der geringen Nutzerzahlen von Twitter in Deutschland unwahrscheinlich ist. Andere gehen davon aus, dass Bots „nur“ Meinungen vertiefen, also nicht beeinflussen.

I see you…

Auch wenn Bots schlauer werden und intelligentere Gespräche führen können, ist die Leistungsfähigkeit ein Erkennungsmerkmal: Sind einige 100 Tweets am Tag versendet worden, ist davon auszugehen, dass dies möglicherweise nicht durch eine reale Person passiert ist. Bei einem Verdacht sollte das Profil des potenziellen Bots gecheckt werden – übermäßige Aktivität sowie Themengebundenheit und gleiche Antworten weisen auf Bots hin.

Zum Schluss etwas spaßiges

Und nicht immer wollen Social Bots etwas Böses: Der einfache Twitter-Account Pfannkuchenpolizei reagiert auf das Wort Berliner – und verbessert themenunabhängig, dass ein Berliner in Berlin Pfannkuchen heißt.  

Internet / Web 2.0, Jugendmedienschutz, Soziale Netzwerke

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